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Foto und Text: Nina Saam Kehler Zeitung
Die Ausstellung „Was ich anhatte“ der Kölner Filmemacherin Beatrix Wilmes, die noch bis zum 23. Oktober in der Friedenskirche zu sehen ist, erzählt von Menschen, die sexuelle Übergriffe erfahren haben.
Von Alice, die ihren Sohn in die Kita gebracht hat und auf dem Rückweg durch den Park von einem Mann mit einer Pistole gezwungen wurde, ihn oral zu befriedigen. Von Ruth, deren Stiefvater im Heizungskeller „Brüstchen anfassen“ wollte, wenn die Mutter nicht zuhause war. Von Alina, deren Oma im Heim von einem Pfleger missbraucht wurde. Daneben hängen die Kleidungsstücke, die die Opfer trugen: Eine Jogginghose, ein geblümtes Hängerchen, ein Nachthemd und Pantoffeln.
Die Ausstellung „Was ich anhatte“ rührt an, rüttelt auf und ist zutiefst verstörend – nicht umsonst wird während der Öffnungszeiten in der Friedenskirche immer jemand als Gesprächspartner vor Ort sein. „Schweigen muss enden“ „Die Friedenskirche ist ein guter Ort, um sich mit diesem Leid auseinandersetzen“, sagte Pfarrer Andreas Bordne in seinem Grußwort. Auch innerhalb der Kirche habe es sexuelle Übergriffe gegeben. Eine Studie, die die Vorfälle systematisch aufgearbeitet hat, habe der Kirche eine fehlende Konfliktkultur und „Harmoniesucht“ bescheinigt. „Anstatt den Missbrauchsvorwürfen nachzugehen, hieß es, sag niemanden etwas davon“, sagte Bordne. „Das ist eine ganz perfide Konstruktion.“ Er wünsche sich, dass das Schweigen über das, was in unserer Mitte geschehen ist, endlich aufhöre.
Seit 2021 veranstaltet der Fachausschuss „Häusliche Gewalt“ der Bürgerstiftung Kehl verschiedene Aktionen rund um den 25. November, den Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.
Die Ausstellung „Was ich anhatte“ zeigt zwölf Outfits, die die Opfer bei den erlebten Übergriffen trugen, daneben werden auf Tafeln ihre Geschichten erzählt.
„Die Übergriffe geschehen meist ausgerechnet da, wo Frieden herrschen soll, nämlich in der Familie“, sagte OB Wolfram Britz, der die Schirmherrschaft übernommen hat. Genau das mache sexuelle Gewalt oft unsichtbar, die Betroffenen schwiegen aus Scham. Und wenn sie sich jemandem anvertrauten, käme oft die Frage, was sie denn anhatten. „Diese Frage sollte nie gestellt werden, suggeriert sie doch, dass das Opfer selbst schuld ist“, sagte Britz. „Das ist eine klassische Täter-Opfer-Umkehr.“ Sorge bereite ihm das Wiedererstarken toxischer Männlichkeitsbilder, in denen Dominanz und Kontrolle als besonders männlich empfunden werden. „Gewaltschutz und Gleichstellung gehören untrennbar zusammen“, sagte der OB. Das müsse man bei der Prävention mitdenken. Männer seien nicht automatisch Täter, aber Männer hätten eine Mitverantwortung, diesem Männerbild entgegenzutreten.
Sexuelle Übergriffigkeiten begegnen Frauen tagtäglich. Claudia Mündel, die Vorsitzende des Fachausschusses, verwies auf drei Meldungen allein in dieser Woche: Auf dem Münchner Oktoberfest wurden über 80 Sexualdelikte angezeigt; Frauen ziehen sich aus den Sozialen Medien zurück, aus Angst, dass ihre Bilder missbräuchlich verwendet werden; eine Gruppenvergewaltigung an einer amerikanischen EliteUniversität soll jetzt, zwei Jahre nach der Tat, erneut aufgerollt werden. Und während die Täter oft davonkommen, kämpfen die Opfer mit den Spätfolgen ihrer traumatischen Erlebnisse: Angststörungen, Beziehungsprobleme, Sucht – bis hin zum Freitod.
Auch davon erzählt die Ausstellung: Von Markus, der als 9- bis 11-Jähriger sexuelle Übergriffe in Pfadfinderlagern erleben musste und das 20 Jahre mit sich herumgetragen hat, bevor er sich seiner Mutter und seiner Schwester anvertraute. Kurz darauf beging er Selbstmord. „Der Schuldige ist immer der Täter, egal was das Opfer anhatte“, sagte Claudia Mündel. „Wir müssen die Prävention in den Mittelpunkt stellen, damit es gar nicht erst zu Übergriffen kommt.“
von Klaus Gras
Am Montag, den 28. September, kehrte Martin Wenz nach 35 Jahren an seinen ehemaligen Studienort, die Hochschule Kehl, zurück. Thema seines Vortrags im Rahmen der Reihe „Faszination Wasser“ waren die Probleme der kleinen Wasserkraft. Mittlerweile ist Herr Wenz Finanzvorstand des Elektrizitätswerk Mittelbaden AG & Co. KG und war für dem Aufbau von drei Wasserkraftwerken an der Kinzig verantwortlich.
Zunächst begrüßte Klaus Gras im Namen der Bürgerstiftung Kehl den Vortragenden und die Gäste. Unter den Zuhörern befand sich auch der erste Beigeordnete der Stadt Kehl, Thomas Wuttke und der Rektor der Hochschule Prof. Dr. Joachim Beck.
Martin Wenz erläuterte den Wandel der Bedeutung der Wasserkraft als Energiequelle in Deutschland. Während der Industrialisierung war sie der Motor der Elektrifizierung. Nach und nach nahm ihre Bedeutung ab. Mittlerweile ist die Wasserkraft im Energiemix mit nur noch 3 % vertreten. Ein Grund für diese Entwicklung sind dreimal höheren Kosten gegenüber z.B. der Windkraft.
Besondere Schwierigkeiten bereiten den kleinen Wasserkraftwerken die steigenden Umweltauflagen und der Klimawandel mit allgemein sinkenden und dennoch stark schwankenden Wasserständen. Ein weiteres Problem ist die Instandhaltung der komplizierten Technik. Diese Faktoren führen zu einem unrentablen Betrieb von kleinen Wasserkraftwerken.
Im Anschluss folgte eine angeregte Diskussion über die Wasserkraft und andere Möglichkeiten der Energieerzeugung. Klaus Gras nutzte die Gelegenheit die Organisation der Vortragsreihe zukünftig an Olaf Luche zu übergeben.
Im Foyer stärkten sich die Anwesenden dank dem Mitorganisator Günter Ladny bei einem reichhaltigen Obstbuffet und nutzten die Gelegenheit zu weiteren Gesprächen.
Zu ihrem 20-jährigen Bestehen bot die Bürgerstiftung Kehl in der proppenvollen Marienkirche ein glanzvolles Konzert unter der Leitung des renommierten 87-jährigen Maestro Theodor Guschlbauer
Von Simona Ciubotaru
Zum neunten Mal dirigierte Theodor Guschlbauer das Kammerensemble Kehl-Strasbourg (Konzertmeisterin Suzanne Da Costa-Kunz) im Rahmen der Konzertreihe für die Bürgerstiftung. Der von Catherine Bolzinger geleitete Chœur Philharmonique de Strasbourg war erneut mit von der Partie. Das Repertoire zeichnete sich durch starke Kontraste aus und spannte einen epochenübergreifenden Bogen zwischen christlicher Pietät und von der Leichtigkeit des Daseins und Weltzugewandtheit durchdrungenen Harmonien. Die Musik wirkte wie ein ätherisches Uhrwerk: Die Klänge rotieren umeinander, bis sie wie Zahnrädchen ineinandergreifen und so zu einer perfekten Harmonie finden. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Ensembles, Solisten und Dirigent nur drei Proben zusammen hatten. Somit war die Aufführung ein erstaunlicher Kraftakt, der vom Auditorium am Ende mit minutenlangen Standing Ovations gewürdigt wurde.
Francis Poulencs A-cappella-Werk „Salve Regina“ eröffnete den Abend. Der Chor platzierte sich dafür hinter und seitlich des Publikums und erzeugte somit einen raumgreifenden Stereo-Effekt, bei dem der Bass horizontal, tragend wie bei mantrischen Gesängen, vibrierte. Der Zuhörer wurde dabei in eine Galaxie der mystischen Klänge hinausgeschleudert – die Schönheit des Gesangs ließ den Atem stocken.
Dasselbe geschah beim Psalm 43 „Richte mich, Gott“ von Felix Mendelssohn Bartholdy – wobei die Sänger kompakt an ihrem Platz hinter dem Orchester blieben.
In Georg Friedrich Händels „Zadok the Priest“ vereinten sich dann klanglich Chor und Orchester in einem feierlichen Akt voller Glanz. Komponiert im Jahr 1727 für die Salbung von König Georg II., wird das Werk seither traditionell bei jeder britischen Königskrönung gespielt.
Mit Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonie in D-Dur, KV 181, erklang dann ein beschwingtes Werk, 1773 komponiert – er war damals nur 17 Jahre alt. Schnelle Tempi, rutschige Übergänge, Präzision – kein Problem für das Kammer- ensemble, das übrigens zum Teil aus Laien besteht.
Mit der Arie des Grafen aus „Figaros Hochzeit“ wurde es dann ganz irdisch. Die Interpretation des jungen Baritons Damien Gastl war ein Ohrenschmaus und wurde dementsprechend mit stürmischem Applaus belohnt.
Die Concertante für zwei Fagotte und Orchester von Johann Evangelist Brandl (1760–1837) gilt als eine sehr seltene Komposition, die aus dem generell begleitenden Instrument einen „Star“ macht. Die Fagottisten Jean-Christophe Dassonville und Robin Aubertin beglückten dabei mit ihrer ungemeinen Virtuosität und ausgereiften Spieltechnik.
In Gabriel Faurés introvertiertem Stück „Cantique de Jean Racine“ verwoben sich die Stimmen des Chors und Orchesters mit einer zarten Harfe – einmalige Instrumentierung, die Vorführung betörend. In Pablo de Sarasates „Zigeunerweisen“, Op. 20 – einem viersätzigen Werk im Stil ungarischer Csárdás-Kapellen – wurde dann der noch junge argentinische Violinist Leonardo Toro zur Offenbarung des Abends. Er spielte die technisch extrem schwierigen und fordernden Soli mit einer Brillanz, zugleich lyrischen Tiefe und luziden Intensität, welche nur rar in der Musiklandschaft gesät sind.
Das Konzert beschloss eines der berühmtesten und wirkungsvollsten Stücke der klassischen Musikgeschichte: Georg Friedrich Händels „Halleluja“ (aus dem Oratorium „Der Messias“).
Die Bürgerstiftung feierte am Freitag ihr 20-jähriges Bestehen. Dabei erhielten die Gäste einen Überblick über die breite Palette der Arbeit und die Vielseitigkeit der Kulturförderung.
Von Simona Ciubotaru
Das Jubiläumsfest zum 20-jährigen Bestehen der Bürgerstiftung Kehl brachte zahlreiche Mitglieder und Förderer, Vertreter der Stadt Kehl, Vereine, Künstler und Interessierte in und um die urige Feldscheune zusammen. Es wurde dabei viel gewürdigt, gedankt und ausgelassen gefeiert. Dabei sah man förmlich die Vertrautheit zwischen den Leuten – als sei die Stiftung eine große Familie. Vorsitzende Barbara Tonnelier eröffnete offiziell die Feier. In ihrer Rede würdigte sie die Gründer und alle Mitstifter und bedankte sich für das konstante zivile Engagement. Für die Zukunft kündigte Tonnelier weitere Schwerpunkte in der Kinder- und Jugendförderung an. Etliche musikalische Angebote und Präventionsprojekte sollen hinzukommen. „Wir haben sehr viele Ideen, und die Bürgerstiftung ist offen für alle, die Projekte anregen und mitgestalten wollen.“ Besonders wichtig bleibe dabei das ehrenamtliche Engagement: „Man muss nicht unbedingt Geld spenden“, betonte sie. „Wir freuen uns über jeden Zeitstifter.“
OB Wolfram Britz stellte seine Rede unter einen Satz von Erich Jais: „Die Stiftungen verwandeln Geld in Humankapital.“ Für Britz beschreibt dieser Satz treffend, was auch die Bürgerstiftung leistet. Gerade angesichts knapper öffentlicher Kassen komme Stiftungen eine besondere Bedeutung zu. Die Bürgerstiftung springe häufig dort ein, wo Menschen durch die Maschen des Sozialstaates zu fallen drohten. „Die Kehler verfügen über eine ausgeprägte Spenden- und Solidargemeinschaft. Das Geld ist das eine – damit dieses aber zum Humankapital werden kann, braucht es Menschen“, lobte er.
Sowohl die Präsenz verschiedener Vereine im Eingangsbereich als auch das bunte Programm auf der Bühne veranschaulichten ein Stück weit die breite Arbeitspalette der Bürgerstiftung und die Vielseitigkeit der Kulturförderung. Selbstverständlich gab es auch so einiges für den Gaumengenuss, selbst eine Jubiläumstorte fehlte nicht – angeschnitten vom zweiten Vorstand Rolf Hauer und dem Ex-Vorsitzenden Jörg Armbruster.
Den Auftakt auf der Bühne machte der Kinderchor der Albert-Schweitzer-Schule unter der Leitung der Musikschullehrerin Martina Oertel. Die Förderung von Kindern und Jugendlichen gehört zu den wichtigsten Schwerpunkten der Bürgerstiftung – seit 2024 wurde die musikalische Förderung auf eine noch breitere Basis gestellt.
Anschließend präsentierte Vincent Bilger, Leiter des binationalen Sommercamps Artefactory, das deutsch-französische Generationentheater Transc3nd und zeigte auch ein Video darüber – Artefactory ist das Hauptprojekt von Transc3nd. Von Manon Bilger geführt, bringt der Verein Kinder, Jugendliche und Senioren aus Kehl und Straßburg zusammen – wobei die Projekte mit Theater, Musik und Tanz „die Grenzen im Kopf abbauen und europäische Nachbarschaft erlebbar machen wollen“. Sieben Kinder nahmen daraufhin bei seinem Mini-Workshop auf der Wiese vor der Feldscheune spontan teil.
Ein Höhepunkt war auch die Theaterwelt Goldscheuer: Das Duo Horst Kiss und Wolfgang Weber spielte einen humorvollen Ausschnitt aus dem Programm für Senioren „Lebenslust“ und animierten mit alten Schlagern das Publikum zum Mitsingen.
Suzanne DaCosta-Kunz, Leiterin des Ausschusses für Kinder- und Jugendarbeit, stellte das Projekt Drum-Circle vor, das an der Guggenmos-Schule läuft – der Profi-Drummer Dietmar Göppert „trommelte“ zuvor die Gäste zu einem verbindenden musikalischen Erlebnis in der Feldscheune zusammen. Der geborene Animateur bringe in der Schule Kinder, Eltern und Lehrkräfte dazu, durch Rhythmus zum Miteinander zu finden – bis ein Flow und ein spürbares Wir Gefühl entstehe, lobte DaCosta-Kunz.
Mit dem Video „Zweierpasch in der Tram“ wurde die Atmosphäre jugendlich tänzerisch: Die international bekannten Zwillinge Till und Felix Neumann verbinden Rap mit Weltmusik, Reggae und Funk und stehen für deutsch französische Verständigung, Toleranz und offene Grenzen.
Zum Abschluss begeisterten mit einem erfrischenden Mix die Bands der Musikschule, Jazzladies & Gentlemen und Live on Stage.
Gut beim Publikum kam auch die Tombola an, die schöne Preise bereit hielt.
„Was ich anhatte …“ ist eine Wanderausstellung, die Erfahrungen von Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, durch ihre Kleidung, die sie während einer solchen Tat trugen, öffentlich macht. Im Vordergrund steht das Erzählen diverser Geschichten erlebter sexualisierter Gewalt. Mehr Informationen dazu unter: https://www.wasichanhatte.de/
Ausstellung im Rahmen des Aktionsmonats gegen Gewalt.
Vernissage am 09.10.2026, 10 Uhr in der Friedenskirche
Programm rund um die Ausstellung
09. Oktober, 10 Uhr: Vernissage
11. Oktober, 10 Uhr: Ökumenischer Gottesdienst
13. Oktober, 9–10.30 Uhr: Vortrag für Schulklassen „Sicher unterwegs – Gewalt gegen Frauen im öffentlichen Raum“; Präventionsfachstelle der Polizei, Anmeldung erforderlich
13. Oktober, 11–12.30 Uhr: Infostand der Polizei
14. Oktober, 8.30–10.30 Uhr und 11–13 Uhr: Interaktives Angebot für Schulklassen ab Klasse 10; Verein Aufschrei gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Erwachsenen, Anmeldung erforderlich
15. Oktober, 16–18 Uhr: Frauencafé; Frauen- und Familienzentrum und Gemeinwesenarbeit Kehl
19. Oktober, 9–10.30 Uhr: Vortrag für Schulklassen „Sicher unterwegs – Gewalt gegen Frauen im öffentlichen Raum“; Präventionsfachstelle der Polizei, Anmeldung erforderlich
19. Oktober, 11–12.30 Uhr: Infostand der Polizei
19. Oktober, 17–18.30 Uhr: Vortrag „Sexueller Missbrauch von Kindern“ für Eltern und Fachkräfte, Anmeldung erforderlich
21. Oktober, 14–18 Uhr: Interaktives Angebot für Pädagogische Fachkräfte; Verein Aufschrei gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Erwachsenen, Anmeldung erforderlich
22. Oktober, 16–18 Uhr: Frauencafé; Frauen- und Familienzentrum und Gemeinwesenarbeit Kehl
23. Oktober, 13 Uhr: Finissage. Anmeldungen sind bis zum 8. Oktober möglich unter:
ausstellung-friedenskirche@web.de
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