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20 Jahre
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Aktuelles & Berichte

Gemeinsam Gutes wachsen lassen

Seit 20 Jahren stärkt die Bürgerstiftung Kehl den Zusammenhalt. Das Bürgerfest mit Musik, Spiel und Information zeigt, wie Engagement Menschen verbindet und Zukunft schafft.

von Hans-Jürgen Walter

Die Bürgerstiftung Kehl lädt ein, mit ihr das 20-jährige Bestehen zu feiern. Bei dem Bürgerfest am Samstag, 27. Juni, von 15 bis 21 Uhr rund um die Feldscheune beim Weißtannenturm stellen sich von der Stiftung geförderte Vereine und Organisationen vor, auf dem Programm stehen kleine Aufführungen und Darbietungen und für Speis und Trank ist gesorgt.

Am 29. September 2006 wird unter dem Motto „Miteinander – Füreinander“ die Bürgerstiftung Kehl (BSK) gegründet, um das Gemeinwohl der in der Stadt lebenden Bürgerinnen und Bürger zu fördern. Unterstützt werden Vorhaben, die im Interesse der Stadt und ihrer Bürger liegen und nicht zu den öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen der Kommunen gehören.

Im 20. Jubiläumsjahr bilden die Kinder- und Jugendprojekte einen Schwerpunkt. Deshalb bittet die Stiftung bei eventuellen „Geburtstagsgeschenken“ um Spenden insbesondere für diese Projekte. Und sie stehen zudem im Mittelpunkt des Nachmittagsprogramms in der Feldscheune.

Freuen dürfen sich die Gäste auf den Beitrag der Gruppe musikalische Früherziehung an der Albert-Schweitzer-Schule. Angeleitet von Martina Oertel werden zusätzlich zu Sprachentwicklung, Bewegungskoordination und Musikalität auch Persönlichkeitsentwicklung und -entfaltung gefördert. Der Schülerchor der Söllingschule lässt hören, weshalb er mit seinem Muttertagskonzert so viele Herzen berührte. Schüler der Guggenmos-Schule zeigen bei einem „Drum Circle“ unter Leitung von Dietmar Göppert, wie viel positive Energie beim gemeinsamen Trommeln entsteht.

All diese musikalische Betätigung ermöglicht die BSK ebenso wie bei „Transc3nd“ (grenzüberschreitende Jugendarbeit). Es wird Ein-Blick gewährt in das Sommercamp „Artefaktory“ und Holzspielzeug präsentiert, das die Jugendlichen dort hergestellt haben; bei einem Workshop können Festbesucher eigene Theaterszenen entwerfen und spielen.

An den Info-Ständen stellen Einstein-Schüler ihr selbst entwickeltes autonom fahrendes Roboterauto vor, mit dem sie bei der „World Robot Olympiad“ einen hervorragenden dritten Platz belegten. Unterstützt haben das Projekt der Förderverein der Schule und die Bürgerstiftung.

Noch einmal „junge Musik“ gibt es nach der Pause ab 18.30 Uhr mit „Live on Stage“, ein beliebtes Straßenmusik- und Bandprojekt der Musikschule Offenburg mit Schülern aller Altersklassen. „Zweierpasch“, die deutsch-französische Hip-Hop-Band mit den Zwillingen Till und Felix Neumann erleben die Festgäste in dem in der Tram gedrehten Film. „Drei Szenen einer Ehe“ bringt das Theater der 2 Ufer auf die Bühne.

An Info-Ständen stellen sich unter anderem vor die Flüchtlingshilfe, die Kreative Nähstube, das Diakonische Werk mit ihren Beratungsangeboten, die Pflasterstube, Musica Sacra, die HSG Hanauerland mit ihrer Teilnahme beim internationalen Jugendturnier in Dänemark, die Dorfgemeinschaft Auenheim mit ihrer Bildungsreise, Mentor Lesehilfe, die Kehler Tafel, Team4Winners, Grundschule Sundheim (Bücherkiste), Kehler Turnerschaft (Geräte-Beschaffung) sowie das Sozialkaufhaus Stoffwechsel.

Sie profitieren von der Förderung durch die Bürgerstiftung ebenso wie ihre eigenen Leuchtturmprojekte. Mit den Projektverantwortlichen können die Festbesucher ins Gespräch kommen und sich außerdem über das Engagement der Stiftung in den verschiedenen Bereichen austauschen.

Nicht zuletzt wartet auf die Gäste dank großzügiger Spender eine umfangreiche Tombola mit attraktiven Preisen, zu denen beispielsweise ein Fahrrad und eine Gitarre im Wert von je 500 Euro sowie ein Gutschein für eine Goldmünze im Wert von 400 Euro gehören. Lose werden zu jeweils 5 Euro angeboten.

Vor Ort sind die Bundesfreiwilligendienst-Leistenden der Stadt Kehl und begleiten die Kinder beim Spielmobil. Es werden verschiedene Spiele angeboten wie Outdoor-Spiele für groß und klein, darunter etwa Mensch ärgere dich nicht, großes Mikado, Tischkicker oder das große „Vier Gewinnt“, bei dem man als Erster vier eigene Spielsteine in einer ununterbrochenen Reihe zu platzieren hat – egal ob waagerecht, senkrecht oder diagonal. Die kleinen Festbesucher können Mandala malen oder Armbänder knüpfen.

Neben dem Feldscheunen-Team um Regina Stein kümmern sich die Sundheimer Hexen darum, dass niemand dursten oder hungern muss. Wer möchte, kann die verschiedenen „Stifter-Weine“ kosten. Die Pfadfinder der Freien evangelischen Gemeinde präsentieren nicht nur ihr gefördertes Projekt, sondern sie versorgen die Besucher auch mit vor Ort hergestelltem Popcorn – und sie helfen der Bürgerstiftung bei Fest-Arbeiten.

Im Nachmittagsprogramm treten Horst Kiss und Wolfgang Weber von der Theaterwelt auf. Sie sorgen für eine Ode an das Leben, die Liebe und das Lachen und wollen damit Glücksmomente schenken – ein Anliegen auch der Bürgerstiftung Kehl: mit ihrem Wirken und mit dem Bürgerfest!

Fotos

03_Bürgerfest_AS-Schule_musik. Früherziehung_286_erl und 03_Bürgerfest_AS-Schule_musik. Früherziehung_913_erl Wie stolz die Kinder der musikalischen Früherziehung an der Albert-Schweitzer-Schule auf das Gelernte sind, das können die Besucher beim Bürgerfest erleben. Durch Singen, Musizieren und Bewegen lernen die Kinder unter anderem, sich in eine Gruppe einzufügen. Fotos: Erwin Lang

03_Bürgerfest_BSK-Tombola_759_jwt und 03_Bürgerfest_BSK-Tombola_779Bei der Tombola gibt es mehrere Hauptpreise, Preise und Trostpreise zu gewinnen. Lose gibt es zu 5 Euro. Gewinnen kann man beispielsweise diverse Gutscheine oder Stifterwein. Fotos: Hans-Jürgen Walter

03_Bürgerfest_Spielmobil_4 gewinntVor Ort sind die Bufdies der Stadt Kehl und begleiten die Kinder beim Spielmobil. Gespielt werden kann unter anderem das große „Vier Gewinnt“, bei dem man als Erster vier eigene Spielsteine in einer ununterbrochenen Reihe zu platzieren hat – egal ob waagerecht, senkrecht oder diagonal. Foto: Stadt Kehl

03_Bürgerfest_Demenz_Meinke_Malen mit alten Menschen Orange_02 und 03_Bürgerfest_Demenz_Meinke_Malen mit Rosen 3An Infoständen werden etwa die Leuchtturmprojekte der Bürgerstiftung vorgestellt, wie beispielsweise die Demenzbetreuung, bei der auch die Aktivierung von Menschen mit Demenz durch ein kunsttherapeutisches Angebot unterstützt wird. Fotos: Britta Meinke

15. Juni 2026, 08:28 Uhr

20 Jahre Bürgerstiftung Kehl - Bürgerfest zum Geburtstag

Zehn Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Institutionen gründeten am 29. September 2006 die Bürgerstiftung Kehl. Nun feiert sie ihr 20-jähriges Bestehen.

Die Bevölkerung ist eingeladen, beim Bürgerfest am Samstag, 27. Juni, von 15 bis 21 Uhr in der und rund um die Feldscheune die Stiftung kennenzulernen. 

Geförderte Gruppen und Vereine stellen sich vor, ebenso werden Leuchtturmprojekte der Stiftung präsentiert. 

Es gibt Auftritte (z.B. Theater der 2 Ufer und die Theaterwelt), Filmbeiträge (Zweierpasch), Darbietungen von Schulen, Spielangebote für Kinder, eine Tombola und Bewirtung.

9. Juni 2026, 16:27 Uhr

20 Jahre für Kehl

Von der Gründung 2006 bis zum Jubiläum 2026: Wie die Bürgerstiftung Kehl zu einer starken Kraft des Gemeinwohls wurde / 27. Juni Bürgerfest zum Geburtstag

von Hans-Jürgen Walter

Der 28. September 2006 gilt als Schlüsseldatum in der Geschichte der Bürgerstiftung Kehl. Nach Jahren der Vorbereitung treffen sich die Verantwortlichen der „Initiative Bürgerstiftung Kehl“ zu einer langen Abend- und Nachtsitzung. Oberbürgermeister Dr. Günther Petry diktiert die Satzung der künftigen Stiftung druckreif. Wenige Stunden später sollte ein bedeutender Meilenstein folgen.

20 Jahre später soll das gefeiert werden. Mit einem Bürgerfest am Samstag, 27. Juni. Die Bevölkerung ist eingeladen, von 15 bis 21 Uhr rund um die Feldscheune die Bürgerstiftung kennenzulernen.

Am 29. September 2006 um 11 Uhr tritt die erste Stifterversammlung zusammen. Vertreter der Stadt Kehl, der Sparkasse Hanauerland, Firmen, Bürger und Unternehmer kommen zusammen, um die Bürgerstiftung Kehl offiziell ins Leben zu rufen. Zum ersten Vorsitzenden wird Jörg Armbruster gewählt. Joachim Parthon übernimmt das Amt des Schatzmeisters, Dr. Ulrike Kleinknecht-Strähle wird Schriftführerin. Wenig später komplettieren Dr. Christian Enders als stellvertretender Vorsitzender und Reinhard Batz als Beisitzer den Vorstand.

Auch der erste Stiftungsrat nimmt seine Arbeit auf. Ihm gehören Oberbürgermeister Günther Petry Kraft Amtes, Hans Nußbaum, Pfarrer Alban Meier, Joachim Riel und Ursel Peckolt an. Am 20. Dezember 2006 errichtet die Initiative dann die Bürgerstiftung Kehl als rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts. Die offizielle Anerkennung durch das Regierungspräsidium Freiburg folgt am 31. Januar 2007.

Das Gründungskapital beträgt 83.708,72 Euro. Es stammt von Unternehmer Horst Weitzmann, der Sparkasse Hanauerland, der Stadt Kehl, mehreren Unternehmerfamilien sowie engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Von Beginn an verfolgt die Stiftung ehrgeizige Ziele. Sie will Hilfe zur Selbsthilfe leisten, den Zusammenhalt der Generationen stärken, Integration fördern und Menschen in schwierigen Lebenslagen unterstützen. Auch die besondere Rolle Kehls als Brücke zu Straßburg wird ausdrücklich in den Stiftungszweck aufgenommen.

Was damals mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln begonnen hat, entwickelt sich in bemerkenswerter Weise. Im ersten Jahr können Fördermittel von lediglich 1.300 Euro vergeben werden. Doch die Stiftung gewinnt stetig an Unterstützung. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger schließen sich der Stifterfamilie an.

Einen eindrucksvollen Zwischenstand zieht die Bürgerstiftung im Jahr 2022. Das Vermögen ist inzwischen auf rund 2,6 Millionen Euro angewachsen. Neben Zustiftungen tragen mittlerweile Mieteinnahmen aus einem eigenen Mehrfamilienhaus, zweckgebundene Spenden und mehrere Stiftungsfonds zu diesem Wachstum bei. Zudem gibt es immer auch Mitglieder mit die Stiftung voranbringenden Fantasien und Ideen, wie Heino Bullwinkel, auf den der Stifterwein zurückgeht – seit 2014 bis heute das erfolgreichste Fundraisingprojekt.

Gleichzeitig nimmt die Förderleistung kontinuierlich zu. Allein im Jahr 2021 können mehr als 202.000 Euro für 62 Projekte ausgeschüttet werden – ein Rekordwert. Die Stiftung engagiert sich in zahlreichen Bereichen: für Kinder und Jugendliche, für Senioren, für Menschen mit Migrationsgeschichte, für Kultur, Bildung und soziale Teilhabe.

Besondere Aufmerksamkeit erlangen mehrere Leuchtturmprojekte. Dazu gehört das Demenzprojekt, bei dem insbesondere Schülerinnen und Schüler, aber auch Erwachsene und Studierende der Kehler Hochschule gemeinsam mit Pflegeeinrichtungen Menschen mit Demenz begleiten. Bundesweite Anerkennung erhält die Qualifizierungsinitiative für junge Geflüchtete, die Ausbildung, Sprachförderung und soziale Begleitung miteinander verbunden hat. Auch das Engagement gegen häusliche Gewalt, die Unterstützung der Kehler Tafel sowie Hilfsaktionen bei Bränden und Naturkatastrophen zeigen die große Bandbreite des Wirkens.

Zu einem weiteren Kennzeichen der Bürgerstiftung wird die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Straßburg. Exkursionen, kulturelle Veranstaltungen und gemeinsame Projekte stärken bis heute die Verbindung zwischen beiden Städten. Sogar die Restaurierung des historischen Uhrwerks auf der Aussichtsplattform des Straßburger Münsters wird unterstützt.

Heute, im Jubiläumsjahr 2026, blickt die Bürgerstiftung auf zwei Jahrzehnte erfolgreichen Wirkens zurück. Die Bilanzsumme beträgt nahezu 3,5 Millionen Euro. Das Stiftungskapital liegt bei mehr als 2,6 Millionen Euro. 266 Zustifterinnen und Zustifter gehören inzwischen zur Stifterfamilie.

Gleichzeitig sieht sich die Stiftung neuen Herausforderungen gegenüber. Das Spendenaufkommen ist in den Jahren zuletzt rückläufig. Dennoch sind die Finanzen solide, und auch 2025 konnten mehr als 91.000 Euro in Projekte investiert werden. Der Schwerpunkt liegt dabei bei Kindern und Jugendlichen, Demenzprojekt, der Unterstützung der Tafel und dem Einsatz gegen Gewalt in Familien.

Die Geschichte der Bürgerstiftung Kehl zeigt, was entstehen kann, wenn Bürgerinnen und Bürger Verantwortung übernehmen. Aus einer Idee im Bürgerbeteiligungsprozess ist eine der erfolgreichsten Bürgerstiftungen der Region geworden. Ihr Leitgedanke ist bis heute derselbe geblieben: „Miteinander – füreinander“. Und über allem steht weiterhin jener Satz, mit dem einst alles begonnen hat: Eine Bürgerstiftung – keine Bürgermeisterstiftung.

Generationenwechsel

Mit dem Wachstum der Kehler Bürgerstiftung vollzieht sich auch ein Generationenwechsel. 2023 tritt Gründungsvorsitzender Jörg Armbruster nach mehr als 16 Jahren an der Spitze des Vorstands nicht mehr zur Wiederwahl an. Zu seiner Nachfolgerin wird Barbara Tonnelier gewählt. Gleichzeitig übergibt Joachim Riel nach zwölf Jahren den Vorsitz des Stiftungsrats an Karl Haase. Beide prägten die Entwicklung der Stiftung über viele Jahre hinweg entscheidend mit. Ebenfalls aus dem Stiftungsrat ausgeschieden ist Hans Nußbaum. Er ist bis 2011 an der Spitze des Stiftungsrats gestanden und hat den Slogan „Miteinander – füreinander“ geprägt.

Ein weiterer Wechsel folgt 2024. Joachim Parthon, der seit der Gründung die Finanzen verantwortet hatte, legt sein Amt als Schatzmeister nieder. Ihm folgt Wolfgang Huber nach, wie sein Vorgänger ebenfalls Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Kehl-Hanauerland.

 

Fotos

02_JA (rho)5950 Die beiden Vorsitzenden der Bürgerstiftung der ersten Stunde: Hans Nußbaum (links, Stiftungsrat) und Jörg Armbruster (zweiter von rechts, Vorstand), als dieser im Dezember 2024 mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet wird. Zweite von links Bärbel Armbruster, rechts Oberbürgermeister Wolfram Britz. Foto: Rolf Hoffmann

02_KeZ_Stifterversammluung_©anja rolfes Die neuen und scheidenden Vorsitzenden der Bürgerstiftung Kehl bei der Stifterversammlung 2023 (von links): Joachim Riel übergibt das Amt im Stiftungsrat an Karl Haase und Barbara Tonnelier übernimmt den Posten im Vorstand von Jörg Armbruster. Foto: Anja Rolfes

02_Berufs-Qualifizierungsprojekt_Berlin_Preis_aus KeZ 2017-05-08 Die Teilnehmer am Qualifizierungsprojekt Metall der Bürgerstiftung mit Andreas Volkert (Fünfter von rechts), Geschäftsführer der BAG (BSW Anlagenbau und Ausbildung GmbH), Nadine Czeschla, sozialpädagogische Betreuerin von der Jugendberufshilfe Ortenau, und Michael Enderle, Ausbilder bei der BAG (Siebter von rechts) vor dem Brandenburger Tor. Für diese Integration von Flüchtlingen wurde die Bürgerstiftung Kehl im Mai 2017 von der Stiftung Aktive Bürgerschaft in Berlin mit einem 1. Preis ausgezeichnet. Fotos: Stadt Kehl

02_Corona_Konsulin Marianne Therre-Mano_2020-04-23_126 Übergabe mit „Corona-Abstand“: Vorstandsvorsitzender Jörg Armbruster überreicht am 23. April 2020 Konsulin Marianne Therre-Mano vor dem Kehler Rathaus das Schreiben, in dem der Stiftung der Universität Straßburg die Spende der Kehler Bürgerstiftung für die Pflegekräfte in Straßburg mitgeteilt wird. Foto: Hans-Jürgen Walter

02_Tafel_Lebensmittel_049 Barbara Tonnelier und Karl Haase von der Kehler Bürgerstiftung (seit 2023 Vorstandsvorsitzende und Stiftungsratsvorsitzender) beim Umladen der Lebensmitteltüten vom Fahrzeug der Tafel in ihren Pkw, um die Tüten zu den Tafel-Kunden auszuliefern. Beim Corona-Solidaritätsprojekt im April 2020 unterstützt die Bürgerstiftung mit dieser Aktion die Kehler Tafel, die zeitweilig hatte geschlossen werden müssen. Foto: Hans-Jürgen Walter

5. Juni 2026, 08:43 Uhr

Von der Idee zur Stiftung

Aus einer Bürgeridee entstand in Kehl eine Institution des Gemeinsinns – die Geschichte der Gründung der Bürgerstiftung.

von Hans-Jürgen Walter

Eine Bürgerstiftung – keine Bürgermeisterstiftung. Dieser Satz begleitet die Entstehung der Bürgerstiftung Kehl über viele Jahre hinweg. Geprägt wird er von einer Gruppe Interessierter um den damaligen Kehler Oberbürgermeister Dr. Günther Petry. Der Satz soll deutlich machen, worum es bei dem Projekt geht: nicht um eine Einrichtung der Stadtverwaltung, sondern um eine Stiftung, die von Bürgerinnen und Bürgern getragen wird und dem Gemeinwohl dient.

Die Wurzeln dieser Erfolgsgeschichte reichen bis ins Jahr 1999 zurück. Damals diskutieren zahlreiche Kehlerinnen und Kehler im Rahmen eines umfassenden Bürgerbeteiligungsprozesses über ein Leitbild für ihre Stadt. Neben vielen anderen Ideen entsteht dabei auch der Gedanke einer Bürgerstiftung. Sie soll Ausdruck eines aktiven Gemeinsinns sein und Menschen die Möglichkeit geben, sich dauerhaft für ihre Stadt einzusetzen.

Parallel zu diesen Überlegungen beschäftigen sich auch andere Akteure mit der Frage, wie gesellschaftliche Verantwortung nachhaltig wahrgenommen werden kann. Joachim Parthon, damals Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hanauerland, erinnert sich an Gespräche mit dem Rheinauer Bürgermeister Meinhard Oberle und OB Günther Petry. Gemeinsam sei darüber nachgedacht worden, wie die Sparkasse ihren öffentlichen Auftrag langfristig und wirkungsvoll erfüllen könnte.

Einen entscheidenden Impuls erhielt die Diskussion im Jahr 2001. Der Unternehmer Prof. Dr. h.c. Dipl.-Ing. Horst Weitzmann spendet anlässlich seines 60. Geburtstags einen größeren Geldbetrag an die Stadt Kehl. Das Geld sollte sozialen Zwecken zugutekommen. Oberbürgermeister Petry vertritt jedoch die Auffassung, dass die Mittel nicht einfach ausgegeben werden sollten. Stattdessen wird die Idee geboren, das Vermögen dauerhaft zu erhalten und die Erträge für gemeinnützige Zwecke einzusetzen.

Aus diesen verschiedenen Entwicklungen formt sich allmählich ein gemeinsames Konzept. Geplant war zunächst, unter dem Dach einer Sparkassenstiftung mehrere lokale Bürgerstiftungen im Hanauerland zu etablieren. Nach den Vorstellungen von Joachim Parthon sollte Kehl den Anfang machen, später sollten auch Willstätt, Rheinau und Lichtenau folgen.

Doch der Weg erweist sich als anspruchsvoll. Das Thema Stiftung ist für die meisten Beteiligten Neuland. Je mehr Menschen sich eingebracht haben, desto vielfältiger sind die Vorstellungen, Erwartungen und auch Bedenken geworden. Insbesondere Reinhard Batz, früherer Verwaltungsleiter des Kehler Krankenhauses und Vorsitzender des Vereins Jugend- und Altenhilfe Kehl, hat wichtige Akzente gesetzt. Große Verdienste erwirbt er sich bei der Ausarbeitung einer Satzung für eine noch zu gründende vorbereitende Initiative. Zugleich ist er der Auffassung, dass eine Kehler Bürgerstiftung eigenständig bleiben und nicht unter dem Dach einer anderen Stiftung geführt werden sollte.

Schließlich wird zweigleisig vorgegangen: Die Sparkasse Hanauerland stellt ihre eigenen Stiftungspläne zunächst zurück, um die Entstehung einer unabhängigen Kehler Bürgerstiftung nicht zu behindern. Stattdessen unterstützt sie dieses Vorhaben finanziell. Eine Sparkassen-Stiftung wird 2007 gegründet. In Willstätt gibt es eine Bürgerstiftung seit 2011, in Rheinau seit 2012.

Im März 2004 wird der Verein „Initiative Bürgerstiftung Kehl e.V.“ gegründet. Er sollte den organisatorischen und finanziellen Grundstein für die spätere Stiftung legen. 23 Gründungsmitglieder schließen sich zusammen und formulieren ein ehrgeiziges Ziel: Innerhalb von drei Jahren sollten mindestens 50.000 Euro Stiftungskapital gesammelt werden. Nur dann konnte die spätere Stiftung die erforderliche Anerkennung erhalten.

Reinhard Batz spricht damals von einer langfristigen Aufgabe. Die Idee einer Bürgerstiftung müsse zunächst „in die Köpfe und in die Herzen der Menschen“ gelangen. Dabei gehe es nicht nur um Geld. Ebenso wichtig sei die Bereitschaft, Zeit, Wissen und Engagement einzubringen. Jeder könne mitwirken.

Die Satzung der Initiative spiegelte diesen Gedanken wider. Ziel war die Förderung der sozialen und kulturellen Entwicklung Kehls. Unterstützt werden sollten insbesondere Jugendprojekte, gesellschaftliche Randgruppen, kulturelle Aktivitäten sowie bürgerschaftliches Engagement. Alle Tätigkeiten erfolgten ehrenamtlich und ausschließlich zum Wohl der Allgemeinheit.

Im Juni 2004 wählt die Initiative ihren ersten Vorstand. An der Spitze steht Reinhard Batz. Ihm zur Seite Matthias Naumann als Stellvertreter und Joachim Parthon als Schatzmeister. Weitere Vorstandsmitglieder sind Prof. Dr. Joachim Walter, Prof. Dr. Roland Geitmann, Ursel Peckolt und Roland Hammel.

Mit Beharrlichkeit, Überzeugungsarbeit und zahlreichen Unterstützern wächst das Projekt Schritt für Schritt. Die Grundlagen sind gelegt. Doch die entscheidende Etappe steht noch bevor: die Gründung der eigentlichen Bürgerstiftung. Im Herbst 2006 sollte aus einer Idee Wirklichkeit werden – nach Jahren der Vorbereitung, zahllosen Gesprächen und einem bemerkenswerten Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger.

Bürgerfest zum Geburtstag

Zehn Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Institutionen gründeten am 29. September 2006 die Bürgerstiftung Kehl. Nun feiert sie ihr 20-jähriges Bestehen.

Die Bevölkerung ist eingeladen, beim Bürgerfest am Samstag, 27. Juni, von 15 bis 21 Uhr in der und rund um die Feldscheune die Stiftung kennenzulernen. Geförderte Gruppen und Vereine stellen sich vor, ebenso werden Leuchtturmprojekte der Stiftung präsentiert. Es gibt Auftritte (z.B. Theater der 2 Ufer und die Theaterwelt), Filmbeiträge (Zweierpasch), Darbietungen von Schulen, Spielangebote für Kinder, eine Tombola und Bewirtung.

Fotos
01_Batz_Petry_2013-10-02_saam_aus KeZ Zwei der „Architekten“ der heutigen Kehler Bürgerstiftung. Der damalige OB Günther Petry, der im Oktober 2013 Reinhard Batz (links) für dessen umfangreiches ehrenamtliches Engagement das Bundesverdienstkreuz überreicht. Batz hat sich in der „Initiative Bürgerstiftung Kehl e.V.“ große Verdienste im Vorfeld der Gründung der Stiftung erworben.  Foto: Nina Saam
01_Buergerstiftung_Messias_Empfang_522_Weitzmann Empfang für die Kehler Bürgerstiftung im Festspielhaus Baden-Baden mit Gründungsstifter Horst Weitzmann (mit Mikrofon), rechts neben ihm Vorstands-Vorsitzender Jörg Armbruster, links neben ihm Festspielhaus-Intendant Andreas Mölich-Zebhauser. Der Besuch der Aufführung von Händels „Messias“ bildete einen klangvollen Abschluss des 10. Geburtstags der Kehler Bürgerstiftung. Foto: Hans-Jürgen Walter
01_Guschlbauer_2023 Dem Ziel der „Initiative Bürgerstiftung Kehl e.V.“ einer Förderung der sozialen und kulturellen Entwicklung Kehls entspricht die Bürgerstiftung beispielsweise mit der Ausrichtung der Konzertreihe mit Maestro Theodor Guschlbauer, wie auf dem Foto von 2023 in der Marienkirche. Foto: Erwin Lang
01_Musik_Guggenmos_712 Wie es sich die „Initiative Bürgerstiftung Kehl e.V.“ vorgestellt hat, unterstützt die Bürgerstiftung Jugendprojekte, wie bei Grundschulkindern, die von einer Fachkraft, bezahlt von der Stiftung, in einer AG außerunterrichtlich gefördert werden.   Foto: Hans-Jürgen Walter
4. Juni 2026, 09:51 Uhr

Nächste Veranstaltungen

27
JUN

Jubiläumsveranstaltung

Feldscheune Kehl, ab 15:00 Uhr

Auftaktveranstaltung zum 20-jährigen Jubiläum der Bürgerstiftung Kehl

3
SEP

Feierabend-Hock am Labyrinth

Rosa-Carbonell-Labyrinth im Rheinvorland, ab 17:00 Uhr

Zwangloses Treffen am Labyrinth mit Getränkeverkauf

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