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Aktuelles & Berichte
Wo Stimmen Herzen öffnen
Wie gemeinsames Singen im Seniorenzentrum „Am Wasserturm“ Erinnerungen weckt, Gemeinschaft stärkt und neue Lebensfreude schenkt
Von Hans-Jürgen Walter
Dort wo man singt, da lass dich ruhig nieder… Es ist Montagvormittag. Den Gemeinschaftsraum des Wohnbereichs „Bärmatt“ im Kehler Seniorenzentrum „Am Wasserturm“ füllt eine große sitzende Runde. Fast 40 Heimbewohner, zum Teil an Demenz erkrankt, bilden einen besonderen Chor. „Danke für diesen guten Morgen“ erklingt das Begrüßungslied. Gesungen voller Inbrunst. Dankbarkeit und Zuversicht schwingen mit.
Das Volksliedersingen ist mittlerweile fester Bestandteil im Angebot der Senioreneinrichtung im Wohngebiet Schneeflären. Im Chor herauszuhören sind kräftige Männerstimmen. Es sind die von sieben Sängern im Alter von 75 bis 90 Jahren des einstigen „Männerchors-Liederhalle“ Kehl-Sundheim, der sich 2023 aufgelöst hat. Sie bilden den Kern jener Gruppe, die sich noch immer jeden ersten Donnerstag im Monat im Sundheimer „Sternen“ trifft – und dabei das eine oder andere Lied singt.
„Singen war und ist unsere Leidenschaft“, erzählt Ernst Fus. Er und Jörg Armbruster sind Freunde aus gemeinsamer Jugendzeit in Haslach. Armbruster ist bis 2023 Vorstands-Vorsitzender der Bürgerstiftung Kehl und bis Oktober 2024 hat er auch den Vorsitz im Demenz-Fachausschuss der Stiftung inne. In einer Ausschuss-Sitzung stellen die damalige Leiterin Verena Rohde und Lucia Ehret-Benz vom Seniorenzentrum „Am Wasserturm“ ihr Liederheft für ihre Gesangsstunden vor mit dem Wunsch, dieses Angebot extern zu öffnen.
Über das Wie musste Jörg Armbruster nicht lange überlegen. Und hatte Ernst Fus schnell überzeugt. Und dieser wiederum weitere „Sänger i.R.“ – und schließlich Lucia Ehret-Benz, Betreuungsleitung der Einrichtung „Am Wasserturm“: Sie werden begeisterte Partner. Wichtig sei ihre Begleitung mit der Gitarre. Sie gebe nicht nur zum Singen den Ton an, „sondern sie ist die Seele des Ganzen und hält diese Runde zusammen“, lobt Ernst Fus.
Im Mai kann das Volksliedersingen nun den ersten Geburtstag feiern. Es trägt dazu bei, dass die Heimbewohner nicht so isoliert sind. Die Scheu gegenüber fremd (gewordenen) Menschen geht verloren. Zusätzlich zu den Sängern kommen inzwischen weitere Besucher von außerhalb zum montäglichen Singen: Angehörige, befreundete Bekannte, oft auch Enkelkinder.
Jeden Montag steht „Wunschkonzert“ auf dem Programm. Lucia Ehret-Benz hilft beim Erinnern an diese beliebte Radiosendung unter dem Titel „Vom Telefon zum Mikrofon“ mit den Moderatoren Heinz Siebeneicher, Karl Heinz Wegener oder Sigi Harreis – ein Strahlen macht sich in den Gesichtern breit. Und gleich kommt der erste Wunsch: Nummer 10 im Liederheft, „Wenn wir erklimmen“, ein schwungvoller Start.
Das in der Einrichtung selbst erstellte Liederheft ist eine Sammlung mit schönen, bekannten Melodien zu Wandern, Natur, Wald, Meer, Tages- und Jahreszeiten, Heimat, Liebe und mehr. Einfach eine wertvolle „Volkslieder-Schatzkiste“. „Das Repertoire umfasst großteils das, was wir in den 50er-Jahren schon gesungen haben“, konstatiert Johannes Huber. Neben Liedern aus der Kindheit sind auch Schlager dabei, von Peter Alexander oder Freddy beispielsweise. Melodien der Erinnerung!
„So wird Singen mehr als nur Therapie“, erläutert Lucia Ehret-Benz. Singen wirkt sich auf das Wohlbefinden aus. Es setzt Glückshormone frei, kann die Stimmung verbessern und Schmerzen lindern, Stress abbauen. Singen in der Gruppe steigert das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Empathie, es verstärkt soziale Bindung.
„Bei den Teilnehmenden sind positive Veränderungen feststellbar“, sagt Lucia Ehret-Benz. Singen mache geistig fitter. Seit dem Volksliedersingen seien etliche Bewohner neu belebt. Das spüren auch die Sänger. „Es kommt was zurück“, freut sich Erich Barthel. Es gehe um Spaß und Freude, um das Miteinander. Mittlerweile kennt man sich schon. „Wie geht’s?“, habe er eine Bewohnerin gefragt, erzählt Johannes Huber. „Jetzt, wo ich neben Dir sitze, geht’s mir gut“, hat sie geantwortet.
„Wem Gott will rechte Gunst erweisen“, dem Wanderlied folgt der Schlager „Seemann“. Mit leuchtenden Augen geht es singend in die Berge, ans Meer und wieder in die Berge, in den Schwarzwald. Es wird mit Feuereifer gesungen. In der Runde singt auch Heide Hilzinger mit. Sie hat einen Stiftungsfonds in der Bürgerstiftung. Beide unterstützen das Volksliedersingen, überzeugt von dessen positivem Einfluss. Mit dabei sind auch die beiden Zehntklässler des Einstein-Gymnasiums Élodie und Luca, die wie etliche weitere Schüler im Demenz-Projekt der Bürgerstiftung bei der Demenz-Betreuung in den Kehler Seniorenheimen mitwirken.
„Ich freue mich auf jeden Montag, wenn ich meine Stimme anbieten kann“, versichert Karl-Heinz Heitzmann. Robert Kehret, Georg Leible und Kurt Nückles vervollständigen die Sänger-Gruppe. „Diese Gruppe, dieses Volumen, dieser Gesang reißt die Bewohner mit“, schildert Lucia Ehret-Benz. Die Singstunde sei wie ein Feiertag für alle Beteiligten: Dort wo man singt, da lass dich ruhig nieder!
Zukunft in Kork gesichert
Die Initiative „Family Light“ des Evangelischen Kirchenbezirks Ortenau findet auch in Kehl viel Zuspruch. In Kork kann das Projekt dank der Bürgerstiftung Kehl langfristig finanziert werden.
Von Nathalie Schneider
Die Initiative „Family Light“ des Evangelischen Kirchenbezirks Ortenau ist stetig am Wachsen. Erst im vergangenen November kamen zwei der sogenannten „Glühwürmchen“-Gruppen für junge Familien in Neumühl und Kork hinzu (wir berichteten). Für Kork steht nun fest: Das dortige Format, das nun im neuen Anselm 4.0 stattfindet, kann langfristig finanziert werden.
Möglich ist das durch die Bürgerstiftung Kehl (BSK) – genauer: durch den verstorbenen Helmut Schneider. Korker durch und durch, setzte er sich nicht nur zu Lebzeiten aktiv für sein Dorf ein, sondern sorgte auch dafür, dass die evangelische Kirchengemeinde vor Ort auch nach seinem Ableben gefördert wird. So äußerte Schneider in seinem Testament den Wunsch, einen Teil seines Erbes der BSK zu vermachen – zweckgebunden für ein Projekt der evangelischen Kirchengemeinde.
Mehrere Tausend Euro
Das Projekt, das davon profitiert, ist „Family Light“ – ein Format, das junge Familien nach der Geburt eines Kindes unter anderem durch Krabbelgruppen, die „Glühwürmchen“-Gruppen, begleitet. „Und das finde ich sehr gut, weil ich den Bedarf einfach sehe“, freut sich BSK-Vorsitzende Barbara Tonnelier. Mit rund 4300 Euro pro Jahr kann das Format, das in bestimmten Fällen auch an die Frühen Hilfen und weitere Beratungsstellen vermittelt, nun langfristig in Kork finanziert werden.
Sybille Krause, die evangelische Gemeindepfarrerin in Kork, kannte Schneider persönlich: „Er hat wörtlich das Zeitliche gesegnet.“ Denn die finanzielle Sicherung des Projekts komme nun den Jüngsten zugute – ein „Segen“, der über seine Lebzeit andauert.
Auch der Willstätter Pfarrer Christian Meyer schätzt diese Förderung sehr. „Das brauchen wir mehr“, betont er. Denn die langfristige Finanzierung sei es letztlich, die solche Projekte zur Prävention erst möglich mache. Deshalb wünscht er sich, dass es in Zukunft auch in weiteren Ortschaften, wo das Projekt läuft, eine mittel- bis langfristige finanzielle Sicherung gibt.
„Als Kirche gehen wir in Vorleistung“, sagt er. Doch nur durch Spenden und Förderungen, die zu den Rücklagen hinzukommen, könne der Finanzierungs-Akku sich „immer wieder neu aufladen“. Durch die notwendigen Einsparungen, die auch die Kirche vornehmen muss, werden Stiftungen für solche Projekte daher immer wichtiger.
Weitere Gruppen starten
Für Barbara Tonnelier fließt das Geld in ein wichtiges Projekt. „Ich sehe es als absolute Notwendigkeit, den Eltern früh zur Seite zu stehen.“ Auch in Auenheim, Leutesheim und Sand wird dies demnächst möglich sein – hier hat „Family Light“ erst kürzlich begonnen. Die ersten „Glühwürmchen“ treffen sich wohl im Mai.
Trommeln macht Spaß
Das Musik-Projekt der Bürgerstiftung Kehl wurde 2024 breiter aufgestellt. Am Donnerstag (4. April2025) fand in der Guggenmos-Schule ein „Drum Circle“ mit Kindern und deren Eltern statt.
Von Karin Bürk
Im Rahmen des Leuchtturmprojektes der Bürgerstiftung Kehl (BSK) stand am Donnerstag für Erwachsene und Jugendliche in der Guggenmos-Grundschule eine besondere Schulstunde auf dem Stundenplan: "Drum Circle" unter Leitung von Dietmar Göppert.
Seit 2024 wurde die musikalische Förderung von Kindern auf eine breitere Basis gestellt, damit mehr Kinder von einem musikalischen Angebot und seinen positiven Auswirkungen auf Emotionen, Konzentration, Gedächtnis und der Freude an der Musik profitieren können. Die Zielgruppe sind Grundschulkinder, die von einer Fachkraft, bezahlt von der BSK, in einer AG außerunterrichtlich gefördert werden. Ohne diese Förderung könnte dieser "Unterricht" nicht stattfinden. Bei Aufführungen in der Schule und in Altenheimen zeigen die Kinder stolz ihre neu erworbenen Fähigkeiten. Dabei lernen sie, gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten und werden durch den Erfolg in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt.
Seit 2025 werden in der BSK verstärkt Projekte zur Förderung von Kindern und Jugendlichen finanziert, zum Beispiel Team4Winners, ein sportliches Angebot an Schulen. Ursprünglich hieß das Projekt "Musik-Förderprojekt für Kinder und Jugendliche" und wurde ab dem Sommersemester 2015 realisiert. Mit der Erweiterung dieses Leuchtturmprojekts 2024 wurde die "Musik" im Namen weggelassen, um auch andere Aktivitäten und Initiativen im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen fördern zu können.
Da die Bürgerstiftung Partner der Hebelschule ist, fand am Donnerstag in der Josef-Guggenmos-Grundschule (früher kleine Hebelschule), ein "Drum Circle", sprich eine Trommel-Stunde, statt. Der pensionierte Musik-Pädagoge Dietmar Göppert ist zertifizierter „Drum Circle Facilitator“ und erfahren in der Leitung von „Drum Circles“. Zahlreiche Pädagogen, Eltern und Kinder sind der Einladung gefolgt und saßen in einem Stuhlkreis vor großen und kleinen Trommeln oder hatten eine Handtrommel in der Hand. Göppert stand in der Mitte des Kreises und fungierte als Dirigent. Spontan und ohne Leistungsdruck wurden auf den von Göppert zur Verfügung gestellten Trommeln musiziert.
Dass der ehemalige Musiklehrer und spätere Konrektor an der Theodor-Heuss-Realschule in Offenburg selbst großen Spaß an der Sache hatte, war ihm immer wieder deutlich anzumerken. Voller Schwung gab er den zu trommelnden Rhythmus an. Es wurden mal leise, mal laute oder auch kräftige Trommeltöne den Instrumenten entlockt. Aus dem anfänglichen Klangchaos schälten sich zunehmend musikalische Rhythmen, die am Ende das mehr und mehr ausgewogene Klangbild bestimmten. Auf jeden Fall hatten alle Anwesenden eine Stunde lang große Freude und riesigen Spaß an der Sache.
Bürgerstiftung Kehl beklagt rückläufige Spendenbereitschaft
Auch die Bürgerstiftung Kehl leidet unter der allgemein zunehmenden Zurückhaltung von Spendern. Ein neues Projekt soll Kehler Kindern ermöglichen, das Schwimmen zu erlernen.
Von Andreas Cibis
Wie die Zeit vergeht: Schon 20 Jahre ist es her, dass sich in Kehl Bürger für einen guten Zweck zusammentaten. Das 20-jährige Bestehen ist für die Kehler Bürgerstiftung ein Grund zum Feiern.
Viel ist geleistet worden. Gleichzeitig steht man aber vor einigen Herausforderungen, wie Vorsitzende Barbara Tonnelier am Freitag (24. April 2025) bei der Stifterversammlung im Dr.-Friedrich-Geroldt-Haus betonte. Die allgemeinen Entwicklungen gehen auch an der Kehler Bürgerstiftung nicht vorbei.
So nimmt das Spendenvolumen seit Jahren ab. Waren es 2023 noch rund 93.000 und 2024 nur rund 85.000 Euro an Spenden, verringerte sich das Spendenaufkommen im Jahr 2025 letztendlich auf rund 73.000 Euro. Im Jubiläumsjahr hofft man, diesen Trend stoppen zu können.
Präventivprojekt an Schulen
Die „klammen Kassen der Kommunen“ wirken sich auch auf die Arbeit der Stiftung aus. Denn so manche im sozialen Bereich angesiedelten freiwilligen Leistungen können Städte und Gemeinden nicht mehr erbringen. Barbara Tonnelier nannte als Beispiel präventive Projekte an Schulen. Deshalb soll in Kehl an allen Schulen über drei Jahre ein Präventionsprojekt durch die Bürgerstiftung finanziert werden. „Der Förderbedarf im Kinder- und Jugendbereich ist erheblich gestiegen“, erklärte die Vorsitzende. Die Stiftung soll sich hier verstärkt einbringen.
56 Nichtschwimmer
In der vierten Klasse der Falkenhausenschule gibt es 56 Nichtschwimmer – eine ernüchternd wirkende Zahl. Gerne möchte hier die Bürgerstiftung gegensteuern. Da es in Kehl kein Hallenbad mehr gibt, sei man mit der Stadt im Gespräch, um den Einsatz eines Schwimm-Mobils zu finanzieren. „Wir hoffen, dieses Projekt realisieren zu können“, so Barbara Tonnelier.
Finanzlage ist solide
Rechtzeitig zur Mitgliederversammlung konnte die Bürgerstiftung den Jahresbericht 2025 in einer Auflage von 800 Exemplaren vorlegen. Die Finanzen der Bürgerstiftung seien solide, betonte Stiftungsratsvorsitzender Karl Haase. Schatzmeister Wolfgang Huber legte Zahlen vor, die der Größe eines mittelständischen Unternehmens entsprechen.
Die Bilanzsumme der Stiftung beläuft sich zum 31. Dezember 2025 auf fast 3,5 Millionen Euro, zum Ende des Jahres 2024 waren es rund 3,4 Millionen Euro. Das Stiftungskapital beträgt mehr als 2,6 Millionen Euro. Die Rücklagen werden auf 642.000 Euro beziffert, das Sachanlagevermögen auf 1,2 Millionen und die Liquidität auf 232.000 Euro.
Mehr als 91.000 Euro gab die Bürgerstiftung im vergangenen Jahr für verschiedene Projekte aus. Davon entfielen rund 32.000 Euro auf Projekte für Kinder und Jugendliche, 23.000 Euro auf den Bereich Demenz, 7224 Euro auf die Tafel, 3780 Euro für den Bereich „Gewalt in der Familie“ und mehr als 24.000 Euro auf allgemeine Projekte. Die Ausgaben waren höher als die Spendeneinnahmen. Mit Hilfe der Kapitalerträge konnte aber die Finanzierung problemlos gestemmt werden, so Wolfgang Huber.
Für Satzungsänderung
Die Versammlung stimmte einer Satzungsänderung zu. Demnach können verdiente Stifter künftig zu Ehrenstiftern ernannt werden.
Bei einer Gegenstimme votierte die Versammlung zudem dafür, die Amtszeit von Vorstandsmitgliedern und Stiftungsräten von bislang vier auf drei Jahre zu verkürzen. Neu in den Stiftungsrat gewählt wurde Klaus Gras.
Nächste Veranstaltungen
JAPAN & ich - eine Performance mit Pop up Buch/ Ilse Teipelke
Die renommierte Künstlerin und unsere Mitstifterin Ilse Teipelke verbindet kritische Gesellschaftsbilder mit poetischen Metaphern und verschiedenen Medien. Nach einem Japan-Aufenthalt zeigt sie vor Ort gewonnenen Eindrücke auf ungewöhnliche Art.
Jubiläumsveranstaltung
Auftaktveranstaltung zum 20-jährigen Jubiläum der Bürgerstiftung Kehl





