Auf dem Weg in die deutsche Arbeitswelt

von Bürgerstiftung Kehl

(Kehl-Kork) Junge Frauen aus Eritrea und aus Afghanistan schlossen jetzt ein vierwöchiges Praktikum in der Diakonie Kork ab. In Stationen der Epilepsiekliniken, in der Hauswirtschaft sowie in Wohnangeboten in Kork und Kehl machten sie Fortschritte in der Vertiefung ihrer deutschen Sprachkenntnisse und sammelten praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt. Sie erlebten die Bedeutung eines pünktlichen Arbeitsbeginns im Schichtbetrieb einer Klinikstation, lernten verpflichtende Arbeitspausen kennen, wann und was man als Arbeitnehmer in der Kantine isst und trinkt. Über viele alltägliche Situationen sollten sie einen weiteren Zugang in die Alltagskultur in Deutschland finden. Vorbereitet und intensiv begleitet wurde das Praktikum durch die Bürgerstiftung Kehl, deren Vorsitzender Jörg Armbruster allen am Projekt Beteiligten dankte. Damit die Frauen überhaupt an ihre Einsatzstellen in Kork kommen konnten, hatte die Stiftung um Fahrradspenden gebeten und ein sechsstündiges Fahrtraining bei der Verkehrswacht in Kehl organisiert. Susanne Fink, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Projekt, begleitete die jungen Frauen während des Praktikums. Sie half ihnen über viele kleine Stolpersteine im Alltag hinweg, war Ansprechpartnerin für erklärungsbedürftige Situationen oder telefonierte zur Klärung entstandener Fragen mit den Einsatzstellen. Sie konnte in zahlreichen Gesprächen vermitteln, sei es beim Thema Pünktlichkeit am Arbeitsplatz, beim Verhalten, wenn man zu spät kommt oder auch in der Planung von Arztterminen außerhalb der Arbeitszeit. Als Schlüssel für einen Weg in die Arbeitswelt erwies sich einmal mehr die Kenntnis der Deutschen Sprache – auch wenn Sprechgeschwindigkeit und Dialekt der deutschen Gesprächspartner das Verständnis manchmal erschwerten.
Bei einem Abschlussgespräch zeigte sich, dass 4-5 der jungen Frauen in kurzer Zeit ein Sprachniveau erreicht haben, das ihnen voraussichtlich eine Teilnahme am „Vorbereitungskurs Arbeit und Beruf (VBA)“ an der Kehler Berufsschule ermöglicht. Albert Guhl, Abteilungsleiter an den Berufsschulen Kehl, sieht für die jungen Frauen eine gute berufliche Perspektive. Sie hatten sich sehr interessiert und motiviert geäußert, schulisch und beruflich dran zu bleiben und eine Ausbildung in der Pflege zu machen. Die anderen Teilnehmerinnen werden noch den „VBA-O (ohne Deutschkenntnisse) absolvieren, um dann mit besserem Sprachniveau den Hauptschulabschluss erwerben zu können. Während des neuen Schuljahres wird die Diakonie Kork ihr Angebot aufrechterhalten und den Frauen Plätze für Praktika anbieten. Dies versicherten der Vorstandsvorsitzende Frank Stefan und die Personalleiterin Christiane Schmetzer. Sie machten aber auch deutlich, dass eine Ausbildung in Gesundheits- und Krankenpflege oder in Heilerziehungspflege immer den mittleren Bildungsabschluss voraussetze. In engem Kontakt mit der Bürgerstiftung und den beruflichen Schulen Kehl wird die diakonische Einrichtung den teilweise steinigen Weg mitgehen, den die motivierten jungen Frauen auf sich nehmen wollen.

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